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Resilienz – 7 Tipps für Dr. Frankenstein

Vermutlich ist es schon eine Weile her seitdem Sie ein Exemplar von Mary Shelleys Frankenstein in den Händen hielten. Doch die Geschichte von Victor Frankenstein und seinem Monster ist nach wie vor aktuell und lebt auch nach nun fast 200 Jahren weiter – in unzähligen Adaptionen aus unzähligen Perspektiven. Dass die tragische Entwicklung von Victor Frankensteins Geschichte aber als Konsequenz seiner fehlenden Resilienz gesehen werden kann, ist ein neuer Ansatz.

Wenn man sich zurückerinnert, würde man Frankenstein vermutlich als Geschichte beschreiben, in der ein Wissenschaftler einen Schritt zu weit geht und bei einem Experiment eine Kreatur geschaffen hat, die er nicht weiß zu kontrollieren. Doch hier soll das Hauptaugenmerk vor allem auf der Art und Weise liegen, mit der Victor Frankenstein auf diese Krisensituation reagiert.

Optimismus

Optimismus ist ein wesentlicher Aspekt um Belastungssituationen zu überstehen und Resilienz aufzubauen. Diese Fähigkeit fehlt Frankenstein gänzlich. Trotz seiner erstaunlichen Leistung Leben aus Leichenteilen zu erschaffen, ist er zutiefst erschüttert, das seine Schöpfung nicht so aussieht, wie er es sich vorgestellt hat. Aus Schock und Furcht zieht er sich aus der Situation zurück und lässt das Monster allein. Diese erste Ablehnung des Monsters durch Frankenstein ist nur der Beginn einer Vielzahl an unglücklichen Begegnungen des Monsters und führt schlussendlich zu dessen Wut auf Frankenstein.  Mit einer optimistischen Einstellung hätte Frankenstein die Situation beeinflussen können. Er hätte die Möglichkeit dem Monster dabei zu helfen, Orientierung in der neuen Welt zu finden. Viele Probleme wie Hilflosigkeit, Desorientierung und Einsamkeit, die später zur Gewalttätigkeit des Monsters geführt haben, hätte Frankenstein durch eine optimistische Einstellung und proaktives Handeln vermeiden können.

Akzeptanz

Die Fähigkeit Unabänderliches zu akzeptieren ist ein weiterer Schritt um Resilienz aufzubauen. Wie bei Dr. Frankenstein ist es im Angesicht einer Krisensituation nicht so einfach optimistisch zu bleiben. Nach dem ersten großen Schock folgt oft erst einmal das Nicht-Wahrhaben-Wollen der Situation. Je schneller Frankenstein aber diesen Schock und die damit einhergehende Verdrängung überwindet, umso schneller könnte er sich Strategien überlegen, wie er die Situation zum Positiven wenden kann. Frankenstein macht jedoch das genaue Gegenteil davon. Er erreicht nie die Stufe der Einsicht, dass er die Existenz des Monsters akzeptieren muss, sondern springt von Schock zu Verneinung wieder zu Schock und so weiter. Dieses Hin- und Herspringen ist äußerst kräftezehrend und führt zu seinem ständig verschlechternden Gesundheitszustand.

Lösungsorientierung

Mit der Akzeptanz einhergehend ist die Lösungsorientierung. Wie oben bereits erwähnt, verbringt Frankenstein seine Zeit entweder gelähmt vor Schock oder in Verdrängung des Geschehenen. Selbst unter der Androhung des Monsters seine Familie und Freunde umzubringen, gelingt es Frankenstein nicht, sich auf mögliche Lösungen zu konzentrieren, sondern lässt sich ins Vergessen fallen. Menschen, die sich Resilienz aufgebaut haben, machen nicht den Fehler sich auf das Problem zu fokussieren. Stattdessen beginnen Sie damit Lösungen für das Problem zu suchen. Wenn Frankenstein anstelle seiner problemorientierten Denkweise damit angefangen hätte, Lösungsansätze für die Bedrohung durch das Monster zu entwickeln, so wäre ihm das tragische Ende seiner Familie, von sich selbst und auch des Monsters vermutlich erspart geblieben.

Selbstkontrolle und Stressbewältigung

Ein wichtiger Punkt für die Erlangung von Resilienz ist Selbstkontrolle. Victor Frankenstein verliert sich im Laufe seiner Geschichte selbst. Es ist ihm unmöglich kontrolliert zu handeln, da alle seine Kapazitäten entweder auf das Monster (sein Problem) oder auf das Verdrängen eben dieses Problems konzentriert sind. Frankenstein hat keine Selbstkontrolle über sich oder seine Handlungen; sein Leben wird durch die Existenz des Monsters gelenkt.

Die Unfähigkeit sich selbst im Griff zu haben und dadurch bewusst zu handeln, wirkt sich auch auf seinen Umgang mit Stress aus. Frankenstein ist nicht in der Lage die Stresssituation zu bewältigen. Das schlägt sich auf seine Gesundheit nieder. Frankenstein ist im Laufe der Geschichte zunehmend physisch als auch psychisch angeschlagen (heute würde man wohl von Burn-out sprechen) und seine Gesundheit wird an mehreren Stellen nur durch die Pflege und Hingabe von anderen wiederhergestellt.

Verantwortung

Victor Frankenstein übernimmt keine Verantwortung. Nicht für das Schicksal seiner Familie, das Wohlbefinden seines Monsters oder sich selbst. Er versucht wiederholt die Schuld auf das Monster zu schieben. Dadurch sieht er sich selbst in der Opferrolle und macht sich handlungsunfähig. Würde er hingegen Verantwortung für die Situation übernehmen, wäre er im Stande sich aus der Opferrolle zu befreien und zu handeln.

Netzwerkorientierung

Für die Resilienz von Menschen ist es außerdem wichtig auf ein Netzwerk sozialer Kontakte zurückgreifen zu können. Gerade in Ausnahmesituationen kann die Perspektive von anderen dabei helfen eine Lösung zu finden. Dr. Frankensteins Geschichte wäre sicher anders ausgegangen, wenn er sich seiner Familie und Freunden zugewandt und deren Rat eingeholt hätte. Gegensätzlich dazu schottet er sich aber komplett von allen äußeren Kontakten ab. Er hält nur sporadisch Kontakt mit seinen engsten Vertrauten, geschweige denn ihnen sein Problem zu offenbaren.

Zukunftsorientierung

Ein letzter Punkt zur Resilienz ist die Ausrichtung auf die Zukunft. Widerstandsfähige Menschen versuchen die Zukunft so viel wie möglich zu beeinflussen. Frankenstein denkt aber, dass er zukünftigen Entwicklungen bedingungslos ausgeliefert ist. Deutlich kommt dies zu Tage, wenn man seine Einstellung bedenkt. Er ist überzeugt, dass nur einer überleben kann – das Monster oder er. Frankenstein erliegt am Ende seiner Unfähigkeit zu Resilienz.

Auch wenn es in unserem Arbeitsalltag nicht um die selbstverschuldete Rache von Monstern geht, so ist es doch unausweichlich unseren metaphorischen Monstern die Stirn zu bieten.

Sie wollen es besser machen als Dr. Frankenstein? Lernen Sie mehr von Prof. (FH) Dr. Gudrun Gaedke in ihrem Kurs über Resilienz und Widerstandsfähigkeit.

Category: InspirationPersönlichkeitSelbstmanagement

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Article by: Sabrina Jans